Das Dachsteinmassiv – majestätische Grenze zwischen dem Salzkammergut und dem Himmel – war und ist Ziel vieler Bergwanderer, Ort, an dem ein Auftanken möglich ist, wenn die Zivilisation zu viel Lebenskraft gefordert hat.
Deshalb (und wohl auch aus purer Neugier und Abenteuerlust) trafen am 12. Juni 2008 Dogtrekker aus Österreich, Deutschland, Tschechien, Belgien und der Slowakei in Hallstatt ein, um mit ihren Hunden den Aufstieg ins Dachsteinmassiv zu wagen – eine Verneigung vor der Natur, eine Referenz an die Schönheit der Gegend und der Versuch zu beweisen, dass Dogtrekking-Veranstaltungen nicht ausschließlich im Flachland und im Mittelgebirge, sondern – bei überlegter Streckenführung – auch im hochalpinen Bereich möglich sind. Nicht nur die menschlichen Teilnehmer waren verschiedener Herkunft, auch ganz unterschiedliche Hunderassen waren bei dieser Veranstaltung am Start: typische Schlittenhunderassen wie Siberian Husky, Alaskan Malamute, Grönlandhund oder Alaskan Husky waren ebenso vertreten wie Scandinavian Hound, Setter, Französischer Laufhund, Border Collie, ja sogar ein Jack Russell Terrier war am Start anzutreffen.



Am Freitag, dem 13. Juni 2008 starteten die (offensichtlich nicht abergläubischen) Dogtrekking-Teams im stetigen, typischen Salzkammergut-Regen vom Hallstätter Campingplatz aus und durchwanderten das malerische Echerntal entlang des Waldbaches. Nach einiger Zeit wandelte sich der Regen zu Schneefall, auch die ersten Schneefelder wollten gequert werden. Die Wetterverhältnisse wurden zwei Teams bereits hier zum Verhängnis: Sie nahmen einen falschen Weg und mussten in der Folge wegen des großen Zeitverlustes die Tour – zumindest vorübergehend – abbrechen.

Die anderen  Dogtrekker stiegen mit ihren Hunden zwischenzeitlich zum Wiesberghaus auf, manche bereits mit deutlichen Ermüdungserscheinungen – für einige war diese Bergwanderung eine gänzlich neuartige körperliche Anforderung. Nach einer ausgiebigen Rast in der warmen, trockenen Gaststube und gestärkt durch die hervorragende Hüttenkost sowie so manches wärmende Getränk, setzten die Teams ihren Weg durch Nebel und Schneefall fort.

Der Pfad zur Gjaidalm zeigte sich tief verschneit, viele Wegmarkierungen waren schwierig bis nicht erkennbar. Es war eine richtige (wenn auch schweren Herzens getroffene) Entscheidung von uns Organisatoren gewesen, den Trail zu verkürzen und die Schlaufe zur Simonyhütte auszulassen – zu schwierig wäre für manche Teams die Orientierung in diesem Bereich geworden, zu undeutlich wären die Wegmarkierungen  auf diesem Abschnitt gewesen. Mit Hilfe von Christopher und mir, die den Trail in umgekehrter Richtung spurten, und Wegmarkierungen durch ein Mitglied des Krippenstein-Lodge-Teams gelang es aber allen Dogtrekkern wohlbehalten in die schneefreie Mulde der Gjaidalm vorzudringen.



Am Nachmittag unterquerten die Dogtrekking-Teams die militärische und die zivile Seilbahn und wandten sich scharf nach links, wo auf sie der steile Anstieg über das nur teilweise von Schnee bedeckte Geröllfeld des finalen Wegstücks zur Krippenstein-Lodge wartete. An diesem Punkt der Veranstaltung hatten schon drei Teams aufgeben müssen: Die zwei bereits eingangs erwähnten hatten zuviel Zeit durch einen Irrweg verloren, ein weiteres musste wegen einer – glücklicherweise nicht ernsthaften – Verletzung des Hundes zum Start zurückkehren. Eine weitere Teilnehmerin stieg mit ihrem Hund in Begleitung des Checkpoint-Teams und unter Aufbietung all ihrer – letzten - Kräfte vom Wiesberghaus bis zum Ziel dieser ersten Tagesetappe auf. Auf zwei Teams, die eine Pause auf der Gjaidalm eingelegt hatten, wartete ich wegen der instabilen Wetterverhältnisse aus Sicherheitsgründen vor dem letzten Anstieg.

Teilweise sehr erschöpft, aber zufrieden über die eigene Leistung waren am späteren Freitag Nachmittag alle Dogtrekker mit ihren vierbeinigen Partnern auf der Krippenstein-Lodge eingetroffen. Nasse Kleidung wurde getrocknet, Energiereserven durch kleine Snacks aufgefüllt und die Quartiere bezogen. Die Hunde wurden versorgt und in Boxen, am Stakeout oder im Zimmer untergebracht. Ein hervorragendes Abendessen, ausgiebige Gespräche und ein gemeinsamer Hüttenabend mit jeder Menge sehr internationalem Gesang beschlossen den ersten Tag des Dogtrekkings.



Der Samstag begann mit einem strahlend schönen Morgen, der die umliegenden Berge in warmes Licht tauchte. Die Dogtrekker, die am Vortag abbrechen mussten, dann aber mit der Seilbahn auf die Krippenstein-Lodge gefahren worden waren, wollten unbedingt den zweiten Teil der Strecke gehen, eine Entscheidung, die  Gott sei Dank keines der Teams bereute. Nach einigen fröhlichen Gruppenfotos starteten die Teilnehmer frisch und ausgeruht in der Spur des Motorschlitten, die Toni Rosifka, der Hüttenwirt der Lodge, über die schneebedeckte Ebene zum Heilbronner Kreuz (das an den tragischen Erfrierungstod einer Schülergruppe an dieser Stelle erinnern soll) gezogen hatte.

Darf man die Natur herausfordern? Und wenn, unter welchen Bedingungen?
Diese Fragen stellten sich manche Teilnehmer dieses ersten Dachstein Dogtrekkings, als sie das Heilbronner Kreuz als äußersten Punkt der zweiten Tagestour passierten. Die Frage nach der Hochgebirgstauglichkeit der mitgeführten Ausrüstung tauchte in so manchem Kopf auf und mit großer Erleichterung stellten alle Teams fest, dass das Wetter an diesem Tag verhältnismäßig stabil blieb, sodass alle unbeschadet und mit den wunderbaren Eindrücken einer majestätischen Landschaft wieder  am Ausgangspunkt der Tour, dem Campingplatz in Hallstatt, ankamen.



Alle DogtrekkerInnen, egal welcher Nationalität, kehrten am darauffolgenden Tag um viele Erfahrungen und Einsichten reicher nach Hause zurück – der einhellige Tenor aber war: Wir kehren wieder, denn dieses Erlebnis darf nicht einmalig bleiben! Das Motto der Veranstaltung „Face the mountain!“ wird auch weiterhin gelten – mit Vernunft, unter Rücksichtnahme auf die Tiere, die eigene Konstitution und bei gebührendem Respekt vor dem Dachstein und seiner wunderschönen, aber auch nicht ungefährlichen Landschaft.