Eigentlich begann diese Veranstaltung wieder einmal denkbar ungünstig:
Der 21. November, der Abreisetag, war zeitlich äußerst
gedrängt. Ich musste länger arbeiten, das Auto war noch
nicht gepackt und die Aussicht, dass Mario und Fritz mit dem Zelt und
meinem Schlafsack (den mein Sohn Pascal nach der letzten Veranstaltung
in Kirchschlag bei Mario vergessen hatte) noch später aufbrechen
würden, hob meine Stimmung auch nicht unbedingt. Letzten Endes
brach ich aber – aufgrund der Vorarbeit meiner Familie –
doch noch halbwegs rechtzeitig auf, um die etwa 260 Kilometer weite
Fahrt in den tschechischen Böhmerwald antreten zu können. Mit
von der Partie waren unsere beiden Hunde Ronja und Chester. Etwa bei
der Überquerung der österreichisch-tschechischen Grenze bei
Neu Nagelberg im Waldviertel brach endgültig die Dunkelheit herein
und bereits einige Kilometer später hob auch ein nicht zu
unterschätzender Schneesturm an. Ich musste meine Fahrt deutlich
verlangsamen und brauchte im Endeffekt etwa vier Stunden bis zum
Stake-Out in Kubova Hut.
Dort
erwartete mich bereits mein deutscher Dogtrekking-Kamerad Kai, der mich
die letzten paar Meter lotste. Vom Rand der tief verschneiten, leicht
abschüssigen Wiese schleppte ein Traktor mein Auto zu unserem
Standplatz direkt neben Kai und Klaus (einem deutschen
Malamute-Musher und Dogtrekker), die bereits seit einiger Zeit am
Veranstaltungsgelände eingetroffen waren. Da ich bereits bei der
Anfahrt mit Mario telefonisch abgesprochen hatte, dass wir unter den
herrschenden Bedingungen und unter Bedachtnahme auf die
vorgerückte Stunde nicht das Zelt aufbauen, sondern in den
Fahrzeugen schlafen würden, richtete ich sofort Isoliermatte und
Biwaksack her, der Schlafsack würde ja nachgeliefert werden. Den
Biwaksack hatte ich aufgrund der nicht existenten Standheizung meines
Autos mitgenommen, er sollte für eine wohlige Nachtruhe ohne
großes Frieren garantieren – eine Rechnung, die voll
aufging (auch in der darauf folgenden Nacht, das Zelt blieb verpackt).

Nach
einer kleinen Wanderung zur Anmeldung und der Startnummernabholung, der
Versorgung der Hunde und der Begrüßung aller mir bekannten
Hundesportler und Organisatoren, stapfte ich gemeinsam mit Kai durch
die Dunkelheit zur Hütte beim örtlichen Schilift, die
während dieses Wochenendes immer wieder Treffpunkt, Nahrungsquelle
und Wärmestube für die Sportler war. Dort trafen wir wieder
eine Menge bekannter Gesichter (auch Mario und Fritz stießen
etwas später zu der fröhlichen Gesellschaft), es war
kommunikativ, gemütlich und aufgrund der gebotenen Livemusik auch
sehr beschwingt – und so endete dieser Abend vor dem ersten
Renndurchgang für viele Teilnehmer erst in den frühen
Morgenstunden.

Der
Samstag bot uns ein perfekt winterliches Panorama: tief verschneites
Stake-Out, ebensolcher Trail, bleigrauer Himmel, aber eben gerade ein
bisschen zu wenig Schnee, um aus dem angekündigten Wagenrennen
endgültig ein Schneerennen werden zu lassen. Trotzdem war ich
froh, dass ich zumindest auf dem Vorderrad meines Scooters einen
Spikereifen montiert hatte. Bei der morgendlichen Musherbesprechung
wurde bekanntgegeben, dass die Hunde und uns etwa 20 Kilometer Strecke
und einige hundert Höhenmeter erwarten würden. Darüber
hinaus gäbe es nach dem Start, respektive vor dem Ziel einen
Head-On-Passing-Abschnitt, das heißt, dass in diesem Bereich
startende und zurückkehrende Teams einander entgegenkommen
würden. Dies stellt an die Disziplin der Hunde und das Geschick
der Musher immer einige Ansprüche, wir durften uns also auf ein
durchaus anspruchsvolles Rennen freuen.

Ab
zehn Uhr ging es los, die einzelnen Kategorien starteten jeweils in
einem vorgegebenen Zeitfenster, was vor allem für die Hunde
weniger Wartezeit auf den Start und damit deutlich weniger Stress durch
aufgestaute Nervosität bedeutete. Um es kurz zu machen, der Trail
war wirklich traumhaft: Anstiege wechselten mit Downhill-Passagen,
dazwischen gab es einige einfache, ebene Stücke, die einem die
Möglichkeit boten, ein wenig die Schönheit des Waldes zu
genießen, den man durchquerte. Die gesamte Strecke lag
windgeschützt zwischen Bäumen, nur im höchsten Bereich
pfiff einem ein wenig der Wind entgegen und man merkte, dass man doch
deutlich über 1000 Höhenmetern unterwegs war. Einzig der
lockere Schnee sorgte bei den Bike- und Scooterjörern für
einige Schwierigkeiten, da sie nicht so spurstabil unterwegs waren, wie
die Gespanne mit den schwereren Vierradtrainingswagen. Die Temperatur
lag um die minus fünf Grad, die Hunde – auch Ronja und
Rochester - waren dementsprechend bestens aufgelegt. Nach Marchegg
hatten wir auch hier wieder die Möglichkeit – aktiv und
passiv - diverse Überholmanöver zu trainieren. So weit ich es
überblickte, kam es weder an diesem ersten noch am zweiten Renntag
zu gröberen Zwischenfällen, selbst das Head-On-Passing wurde
von den meisten Teams reibungslos gemeistert.

Nach
dem Versorgen der Hunde und einem kleinen Garderobewechsel wollten wir
Österreicher und Deutschen etwas essen und trinken und freuten uns
schon auf die Gemütlichkeit der bereits in der vorangegangenen
Nacht ausgiebig getesteten Schihütte. Leider war in dieser aber
eine geschlossene Gesellschaft untergebracht, was uns zwang, in ein
dafür hergerichtetes Zelt neben der Hütte auszuweichen und
uns dort mit (allerdings ausgesprochen guter) Grillwurst, Kofola und
Bier zu stärken. Da sich nach dem Rennen und dem Absinken des
Adrenalinspiegels eine gewisse Unausgeschlafenheit bei den meisten von
uns durch periodische Frierattacken bemerkbar machte, beschlossen
wir, in eine hauptsächlich von der Rennleitung belegte Hütte
zu übersiedeln und dort den Nachmittag im Warmen zu verbringen.
Dies gelang uns auch anstandslos, inklusive Gitarrespiel und
ausgiebigem Geplauder in diversen Sprachen. Ebenfalls zur allgemeinen
Unterhaltung trug ein Film vom letzten Dogtrekking in Destne bei, dem
ersten, zum „Ice Dog“-Cup zählenden Bewerb.

Der
folgende Abend wurde ausgesprochen bieder – die meisten Sportler
waren sehr früh in der Waagrechten, immerhin hing uns allen nicht
nur der erste Durchgang des Rennens, sondern der äußerst
ausgiebige erste Abend nach. Ich war bereits um 19 Uhr in meinem
Schlafsack verschwunden und ruhte mich ganz bewusst lange aus: Am
Sonntag sollte mich ja nicht nur der zweite Teil des Bewerbs, sondern
auch eine nicht zu unterschätzende Heimfahrt erwarten.
Am Samstag und in der Nacht hatte es noch weitergeschneit und so wurde
des Morgens bei der sonntäglichen Musherbesprechung die
Information erteilt, dass die Teams, die am Vortag mit dem Wagen
gestartet waren, diesmal mit Schlitten antreten sollten. Biker und
Scooter sollten bei ihrem Gerät bleiben. So wurde es auch
durchgeführt, auch wenn etwa unser Freund Klaus aufgrund des
herrlichen Schneetrails beschloss, vom Roller auf den Schlitten
umzusteigen, Wertung seiner Läufe hin oder her.

Auch
dieser Durchgang war ein wunderbares Erlebnis, der Untergrund erwies
sich trotz oder eigentlich gerade wegen des zusätzlichen Schnees
als angenehmer als am ersten Tag, auch wenn die Hinterbremse meines
Scooters wiederholt ausgeräumt werden wollte. Keine Frage, mit
Schlitten hatten man es an diesem Tag gemütlicher, aber es war
auch ein herrliches Erlebnis mit dem Roller durch den tief verschneiten
Märchenwald zu fahren, die Hunde vor und zwischendurch sogar ab
und zu ein Stück blauen Himmels über sich. Der Renncharakter
blieb (zumindest für die meisten, mit denen ich darüber
sprach) an diesem Tag ziemlich auf der Strecke, man genoss einfach
einen herrlichen Lauf mit den Hunden.

Im
Anschluss trafen wir uns in der – diesmal geöffneten –
Schihütte, tranken Kofola und aßen deftige Hausmannskost am
flackernden Kaminfeuer. Konnte es einen gelungeneren Sonntag geben?
Auch die Hunde waren natürlich nach dem Lauf und einem recht
ausgiebigen Snack entspannt im Schnee oder der Box eingeschlafen. So
erwarteten wir die Siegerehrung, freuten uns über unsere Urkunden
und Preise und wollten uns nach einer herzlichen Verabschiedung gerade
auf den Heimweg machen, als uns mitgeteilt wurde, dass wir noch den
Einsatz eines Rettungshubschraubers im Stake-Out-Bereich abwarten
müssten. Ein Teilnehmer sei in seinem Auto einer Gasvergiftung
(schuld daran war eine defekte oder falsch bediente Heizung) zum Opfer
gefallen und müsse schnellstens ins nächste Spital gebracht
werden. Leider stellte sich bereits bei der Ankunft an unseren
Fahrzeugen heraus, dass der Mann nicht überlebt hatte. Dies war
natürlich ein trauriges Ende des ansonsten so gelungenen Events
und wir traten nach dem Abflug des Helikopters unseren Heimweg alle
etwas gedrückter an, als das nur aufgrund des Abschieds der Fall
gewesen wäre.